Erstmals in Europa: John Gossage ‘The Thirty-Two Inch Ruler’ und ‘Map of Babylon’ im Sprengel Museum Hannover
L›History Books‹ nennt der 1946 in New York geborene John Gossage seine fotografischen Bücher. In Europa sind es vor allem jene über Berlin zu Zeiten des Kalten Krieges (Stadt des Schwarz. City of Black, 1987, und Berlin in the Time of the Wall, 2004), über die Grenze zwischen den USA und Mexiko (There and Gone, 1997), über die Industrie in Venedig (The Romance Industry, 1998) und das kürzlich neu aufgelegte Werk The Pond (1985 / 2010), die John Gossage bekannt gemacht haben.
Das Sprengel Museum Hannover zeigt in der dritten Einzelausstellung des Fotografen in diesem Haus nun erstmals in Europa Arbeiten aus den Serien The Thirty- Two Inch Ruler und Map of Babylon. Eine Publikation, die beide Serien vorstellt, erschien 2010 im Verlag Steidl.
17.02.2012 Kommentare deaktiviert
short cuts: Rineke Dijkstra und Paul Graham
Rineke Dijkstra fotografierte 1994 Mütter unmittelbar nach der Entbindung. Die Frauen stehen aufrecht vor einem neutralen Hintergrund und halten ihre Säuglinge auf dem Arm. Glück und Erschöpfung, Schönheit und Anstrengung, das Wunder des Lebens und die harte Wirklichkeit sind auf diesen Bildern zu sehen. Die Kinder sind noch keine Stunde alt, die Ekstase und der Schmerz der Geburt gerade vorbei. Dennoch nehmen die Frauen schon wieder Haltung an, stolz und selbstbewusst schauen sie in die Kamera und inszenieren die Mutterschaft. 17 Jahre später porträtierte die Fotografin die früheren Säuglinge als Jugendliche. Ein Moment von großer Intensität entsteht, den nur die Fotografie erzeugen kann: die Zeit wird übersprungen, im unmittelbaren Nebeneinander der Bilder begreifen wir, dass alle Menschen den Weg durch die Zeit nehmen, geboren werden und altern und dass die Erinnerung an die eigene Geburt unmöglich ist. Im Foto ist sie aber dokumentiert. Auf den Bildern sieht man nicht die Ähnlichkeit zwischen Säugling und jungem Erwachsenen, sondern die Zeichnung der Abstammung: die Gesichter der Mütter und ihrer Kinder ähneln sich auf verblüffende Weise. Persönlichkeit und Lebensweg sind individuell, dennoch gibt es immer einen Grund, auf dem wir stehen, eine Prägung und eine Vorherbestimmung.
22.12.2011 unkommentiert
short cuts: Robert Adams und Thomas Ruff
Als Robert Adams 1968-1971 seine Arbeit “The New West” fotografierte, war die amerikanische Gesellschaft schon tief gespalten: Die Hippies probten den Aufstand, lebten in Kommunen, agierten gegen die bürgerliche Gesellschaft, kritisierten den Krieg in Vietnam und stellten die Industrie und- Konsumgesellschaft massiv in Frage. Auf der anderen Seite gab es das konservative Amerika, patriotische Menschen, die davon überzeugt waren, dass Amerika im fernen Vietnam seine Freiheit verteidigte und dass die wirtschaftliche Vormacht Amerikas die Zukunft bestimmen würde. Diese Menschen waren in der Überzahl und ihre Überzeugungen fußten auf der Familie, der regelmäßigen Arbeit, einem christlichen Glauben und dem Besitz eines eigenen Hauses. Zu dieser Zeit entstanden große Siedlungen von sog. Tract Houses. Häuser, die in einfacher Fertigbauweise errichtet wurden und die es ermöglichten, in kurzer Zeit viele Menschen mit einem Haus, einem Garten und einer Garage auszustatten. Wie der Mythos im Wildwestfilm die Landnahme durch die mutigen und redlichen Siedler beschreibt, wiederholte sich hier derselbe Vorgang. Ewas schneller, standardisiert und mit Krediten finanziert, aber im Kern doch gleich: Die Zivilisation (oder das, was man sich unter ihr vorstellte) eroberte die Wildnis.
Installationsansicht: ‘m.a.r.s.’ von Thomas Ruff
Foto: Michael Herling/Aline Gwose, Sprengel Museum Hannover
13.11.2011 unkommentiert





