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Interview mit Kuratorin Inka Schube

 

Noch bis zum 7. Oktober ist im Raum der Fotografie des Sprengel Museum Hannover die Ausstellung ‚Bernhard Fuchs: Porträts / Autos / Straßen und Wege’ zu sehen. Der Photography Calling-Blog! hat bei Inka Schube, Kuratorin der Ausstellung, nachgefragt, was es mit der Fotoschau auf sich hat:

PC!-Blog: Im Jahr 2000 war Bernhard Fuchs an der Gruppenausstellung ‚How you look at it’ im Sprengel Museum Hannover beteiligt. Was hat Sie nun dazu bewogen, dem Künstler eine Einzelausstellung zu widmen?

I.S.: Da ist erstens die Tatsache, dass Bernhard Fuchs ein herausragender Fotograf ist, und sein Werk von einer außergewöhnlichen inneren Konsequenz.

Interessanter Weise treten Anfang der 1990er Jahre gleich mehrere Fotografinnen und Fotografen an die Öffentlichkeit, die sich, vermittelt über die Bezugnahme auf klassische Porträttraditionen, in Langzeitprojekten mit Orten ihrer Kindheit auseinandersetzen. 2004 zeigte Zoltán Jókay (*1960) im Sprengel Museum Hannover Porträts. Jitka Hanzlová (*1958), eine ebenso außergewöhnliche Porträtfotografin, war mit ihrer Arbeit Forest in PHOTOGRAPHY CALLING! vertreten. Wie Bernhard Fuchs (*1971) und auch Albrecht Tübke (*1971) setzten sie sich vermittelt über die Porträtfotografie mit Werten auseinander, die das eigene Heranwachsen prägten. Auf den ersten Blick scheinen ihre Bilder sehr ähnlich.  Auf den zweiten zeigen sich erstaunliche Nuancen, Ausdifferenzierungen.

Bernhard Fuchs: Schneeweg, Herrnschlag, 2004.
c-Print, 28 x 28 cm.
Sammlung Niedersächsische Sparkassenstiftung, Hannover.
© Bernhard Fuchs 2012.

Die niedersächsische Sparkassenstiftung, unser Partner sowohl für die Ausstellung PHOTOGRAPHY CALLING! als auch in der Ausstellungsreihe PHOTOGRAPHY CALLING!reloaded –  hat seit den 1990er Jahren vermittelt über ihren Kunstbeirat immer wieder Werke von Bernhard Fuchs erworben. Daher können nun, in einer Zusammenarbeit zwischen Museum und Stiftung, erstmals überhaupt gleichzeitig und nebeneinander Werke aus drei Serien des Künstlers gezeigt werden: Porträts, Autos und Straßen und Wege.

PC!-Blog: Bernhard Fuchs hat sowohl bei Bernd Becher als auch bei Timm Rautert studiert. Inwieweit sind Einflüsse dieser beiden Fotografen-Größen in seinem Werk auszumachen?

I.S.: Bernhard Fuchs selbst sagt, dass ihn Bernd Becher sehr in seiner Arbeit bestärkt hätte und dass dies, wie auch die Schulung des Blickes für eine formale Strenge, sehr wichtig für ihn gewesen sei. Timm Rautert habe ihn in Leipzig veranlasst, jenseits des heimatlichen Mühlviertels, wo ihn ein jeder kennt, nach Porträts zu suchen –  dies sei für ihn sehr wichtig gewesen, um ein professionelles Verständnis für das eigene Tun zu gewinnen.

Bernhard Fuchs: Grüner VW-Transporter, Helfenberg, 2002.
c-Print, 38 x 48 cm.
Sammlung Niedersächsische Sparkassenstiftung, Hannover.
© Bernhard Fuchs 2012

PC!-Blog: Die Ausstellung ‚Bernhard Fuchs: Porträts / Autos / Straßen und Wege’ ist als Satelliten-Ausstellung zu der großen Fotoschau PHOTOGRAPHY CALLING! des vergangenen Jahres gedacht. In welcher Hinsicht gliedern sich die Arbeiten von Bernhard Fuchs in diese Reihe ein?

I.S.: Die Ausstellung arbeitete mit dem Begriff einer ‚Fotografie im dokumentarischen Stil‘ – er gibt der  Sammlungstätigkeit der Niedersächsischen Sparkassenstiftung im Hinblick auf die Fotografie Orientierung.  Die Arbeit von Bernhard Fuchs kann – nach der Definition von Walker Evans bzw. Thomas Weski – sicherlich durchaus als „richtig“ im Sinne der Zuordnung zu einer solchen Begrifflichkeit  betrachtet werden.

PC!-Blog: Was fasziniert Sie persönlich an den Arbeiten von Bernhard Fuchs?

I.S.: Mich faszinieren, neben dieser enormen inneren Konsequenz des Werkes, seine Rezeption und seine Eignung als Projektionsfläche. Häufig ist von ‚Zeitlosigkeit‘ die Rede, und von ‚ewigen Werten‘. Ich erfahre aus den Gesprächen vor diesen Bildern überraschend viel über eine offenbar sehr verbreitete Sehnsucht nach einem lange schon nicht mehr  auf diese Weise existierenden Deutschland. Die feinen, sehr differenzierten Ambivalenzen, die Bernhard Fuchs über die Farbe in seine klassisch anmutenden Kompositionen trägt, erschließen sich erst auf den zweiten Blick und ermöglichen letztendlich eine sehr diffizile Befragung dieser letztendlich eher wertkonservativ orientierten Projektionen. An dieser Stelle entwickelt die Arbeit für mich ihre sehr besondere Spannkraft.

Interview: Gesa Lehrmann

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